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Endlich – wieder Live-Musik

Am letzten Maisonntag – noch unter coronalem Vorbehalt mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand – war es dennoch endlich so weit: Musik und Wort erklangen in unserer bis zum letzten möglichen Platz gefüllten St. Stephanuskirche. „Aus Böhmens Hain und Flur“ war die Veranstaltung überschrieben.

Im Rahmen des „Kultursommers in Dorfkirchen“ unter Schirmherrschaft von Superintendent Andreas Berger aus Eisleben führten Prof. Andreas Hartmann (Violine), Dietrich Hagel (Violine und Viola), Sascha Werchau, (Violoncello) und KMD Thomas Ennenbach (Orgel) mit Werken von JAN DISMAS ZELENKA, JAN KŘTITEL VAŇHAL, JAN KŘTITEL KUCHAŘ und ANTONÍN DVOŘÁK durch die tschechische Musikgeschichte. Mit großer Profession, Spielfreude und Lust am Musizieren füllten die Musiker die Herzen ihrer Zuhörer, begleitet von Gebeten einer ökumenischen Andacht und kurzen Texten des Prager Theologen Tomáš Halík.

Der beschwingte Abschluss durch DVOŘÁKs Bagatellen für 2 Violinen, Violoncello und Harmonium op. 47 inspirierte alle (Musiker wie Zuhörer)zu besondere Freude und Gelöstheit, erfuhren Bestärkung und Zuversicht, bald die kulturelle „Corona-Dürre-Zeit“ überstanden zu haben. Gott sei Dank!

Kultursommer in Dorfkirchen 2021

Konzert in Helbra

Es braucht jetzt viel Glauben

Langsam geht uns die Puste aus. Schon ein Jahr erleiden wir Corona, mit Beschränkungen, mit Angst und müssen so viel Kraft aufwenden, um den Kopf irgendwie oben zu behalten. Es ist schon das zweite Osterfest, von dem gegen den Augenschein gesagt werden muss, dass es „nicht abgesagt“ ist. Wir hätten es anders gebraucht!

Nun treten wir in die letzte Woche vor Ostern ein. Angesagt ist ein „harter Lockdown“ von Gründonnerstag bis Ostermontag. Da gehen Feierlaune und jede Vorfreude verloren!

Kein Licht mehr am Ende des Tunnels? – Momentan sehe ich keins! Aber heißt das, dass es das nicht mehr gibt? Glaube ich denn nur, was ich sehe? Kann ich nur auf das hoffen, was sich bereits andeutet?

Das wäre nur ein kleiner Glaube. Der ist ja leicht. Da braucht es nicht viel Kraft, den Kopf oben zu behalten. Anders der große Glaube, von dem die Bibel und die Kirche erzählen. Da gibt es vor der großen Erhebung aus der tiefen Not keinen Lichtblick, keinen Silberstreif, sondern nur einen immer weiter gehenden Abstieg. Als Jesus verhaftet und zum Tode verurteilt wird, haben selbst die Jünger nicht genug geglaubt und alle Hoffnung weggeworfen.

Aber das war bekanntlich nicht das Ende. Ostern kam doch. Später als erwartet, aber der Durchbruch kam. Das Leben und die Freude werden wieder kommen, auch wenn man davon noch nichts sehen kann.        Pfarrer J.-H. Witzel, Helfta

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Querdenker…!?

Vielerorts hört man: Querdenker! Spätestens seit den aktuellen Coronatagen ist dieses Wort in Politik und Medien zum Schimpfwort geworden – auch durch manches inakzeptable Handeln und Reden dieser sogenannten Denker selbst verursacht.

Dabei beschreibt ‚querdenken‘ zunächst eine positive Charaktereigenschaft: Hinterfragen, eigenständig Denken gegen den Zeitgeist. Sich ein eigenes Bild machen gegen den breiten Strom der Meinungen und Vorgaben. Und was wäre aus der friedlichen Revolution 1989 in der DDR geworden, wenn wir damals (und viele Jahre zuvor) nicht quergedacht und danach gehandelt hätten?

Natürlich erlebt sich ein Querdenker missverstanden, unakzeptiert. Sieht sich schnell, Vorwürfen und Maßreglungen ausgesetzt, deren Denkvorgaben und ideologischen Glaubenslinien er nicht folgt. Zweifelt am vielstimmigen Mainstream und findet sich oft isoliert wieder.

War der Apostel Thomas auch so ein Querdenker? „Wenn ich nicht die Wundmale [Jesu] mit eigenen Augen sehe und mit meinen Händen fühle, glaub‘ ich‘s nicht!“ Also doch!

Thomas erscheint entgegen den prominenteren Petrus, Jakobus oder Johannes eher unscheinbar. Ist er wohl einer von Zwillingen, mag er doch ein Einzelgänger gewesen sein. Einer, der sich seinen eigenen Reim auf die dramatischen Ereignisse des Karfreitags machen wollte. Brauchte er für sich Zeit, um das Ganze zu verarbeiten?

Als er zurückkehrt, stürmen die anderen Jünger förmlich auf ihn ein: „Mensch Thomas, wo hast du gesteckt? Der Herr ist uns erschienen. Wir haben ihn gesehen.“

Thomas bleibt skeptisch. Er traut der Sache nicht. Hatte er doch in jüngster Vergangenheit z.B. vom A-Promi Petrus ganz andere Töne gehört: Er wolle Jesus bin in den Tod folgen. Und nun steht er vor ihm und redet auf ihn ein. Ein Zweifler, der Thomas? Ja! Aber gleich ein Querdenker?

Haben wir nicht alle Momente, in denen wir zweifeln, z.B. an den politischen Verlautbarungen zu den Coronamaßnahmen oder an den Beurteilungen anderer? Ja klar! Und dennoch ist dies kein Grund zu „ver-zweifeln“. Ist es doch nur eine Beschreibung von Wirklichkeit neben anderen, eine Meinung neben anderen. Manchmal ist es nicht leicht, dem Zeitgeist entgegenzudenken.

Thomas steht so als Sinnbild für uns, steht als Modell für uns Nachgeborenen. Wir, die wir mit der Verheißung: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ umgehen müssen. Wir, die wir nicht (mehr) sehen (können), und doch glauben!?

So lade ich Sie ein, den Spuren des andersdenkenden Thomas im Johannes-Evangelium Kap. 20, Verse 24-29 zu folgen. Dort werden sie einem begegnen, der zu den engsten Vertrauten Jesu gehörte – ohne A-Promi gewesen zu sein. Einer, der sich trotzdem den Luxus erlaubte zu Zweifeln; Querzudenken auch gegen den Vorwurf, nicht ungläubig zu sein, sondern gläubig.

Schlussendlich steht Thomas für uns auch als Nachfolgende mit seinem Tasten und Suchen, als ein neu Sehender und Fühlender nach dem Allernähesten und Intimsten, den offenen Wunden Jesu. Und ebenso für uns würde er sagen: Einige Dinge muss man glauben, um sie sehen zu können. Nämlich Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“

Herzlichst Ihr Pfr. Steffen Richter

Einsam wie eine Eule … bin ich geworden.

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So, liebe Leserinnen, liebe Leser, beschreibt der Beter des 102 Psalms, Motivpsalm dieser Passionsandacht, sein Empfinden, schildert Gott im Bild der Eule seine Klage. Fühlt er sich doch wie ein schwermütiger Vogel, der in Trübsinn versunken ist. Sitzt zwischen zerfallenen Ruinen als einem Spiegelbild seines persönlichen Kummers. Einsam, traurig und unglücklich sieht er sich schlaflos wie der Nachtvogel Eule in der Einöde.

Vielen mag er dieser Tage aus dem Herzen sprechen: Einschränkungen von persönlichen und dienstlichen Kontakten; beklagenswerte Freiheitseinbußen; traurig über Singverbote in Chören und Gottesdiensten; unglücklich über zahlreiche Beschränkungen des öffentlichen Lebens – und Vieles mehr!

Einsam wie eine Eule … bin ich geworden.

Dabei inspiriert die Eule wie kaum ein anderer Vogel weltweit und seit alters her Menschen als mythologische Interpretation von Naturbeobachtung. Abhängig von lokalen Gegebenheiten vereint sie auf sich die starken Gegensätze von Tod und Geburt, Glück und Unglück.

Wohl durch ihren melancholischen, kreischenden Ruf in nächtlicher Dunkelheit mag die Eule als wehklagendes Motiv auch in Luthers Übersetzung dieser Verse eingezogen sein.

Zum Glück ist die Eule aber auch ein starkes Bild für Hoffnung und die positive Kraft von Weisheit. Im Alten Testament steht sie sogar für die weibliche Schöpfungshilfe Gottes. Eine barmherzige und zugleich durchdringende Kraft, die auch Christen anleiten kann, durch das

erlebte Dunkel von Passion hindurch, auch schon das Helle und Neue von Ostern zu sehen. Auch in der Rolle einer liebevollen, weisen Muttergestalt kündigt sie in Kinderbüchern und Cartoons Veränderung an. Symbolisiert Lebensübergänge – für uns wie den klagenden Psalmbeter.

Folgen wir der positiven Allegorie der Eule, brauchen wir nicht beim Klagen stehenbleiben. Dann können wir, wie der Psalmdichter abschließend, auch Worte für ein Hoffnungsgebet finden. Zunächst gerichtet an Gott, der sein Leid zunächst zugelassen hat. Ihn dennoch in seiner Not hört und ihm in seiner erlebten Ohnmacht göttliche Hilfe und Begleitung schenkt.

Zudem sind wir angeleitet, den Klageworten ein hoffendes ABER entgegenzustellen. Ein starkes ABER, das auf die letztgültige Dimension Gottes hinweist:

Gott, in mir ist es finster, ABER bei dir ist Licht.

Ich bin einsam, ABER du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, ABER bei dir ist Frieden.

In mir ist Bitterkeit, ABER bei dir ist Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht, ABER du weißt den rechten Weg für mich.

Im Sinne solcher Hoffnung beenden sowohl der Psalmist als auch Dietrich Bonhoeffer zuversichtlich ihre Gebetszeilen.

Und das ist auch unsere Chance! Das ist der Wind der Veränderung! Er geleitet uns durch die Passionswochen auf Karfreitag zu. Und dieser Wind der Veränderung und des Neubeginns wird uns aus dem leeren Grab des Auferstandenen zu Ostern entgegenwehen.

Auch dafür steht die Eule: schon sehen, was andere (noch) nicht sehen (können). Ostern! Neubeginn! Anfang! Frühling!

Füllen wir mit Bonhoeffer zuversichtlich, im Vertrauen auf Gottes Segen diese pandemischen Tage mit Leben. Wir sind nicht allein! Wir sind von weihnachtlicher Engelsbotschaft SCHON Bestärkte und gehen, göttlich geleitet, auf Ostern zu. Wir gleichen NICHT NUR einem Vogel in der Wüste, einer EULE in zerstörten Ruinen. Nein. Und auch dafür: Gott sei Dank!                                                                                                                                                                                    Ihr Pfr. Steffen Richter