Es braucht jetzt viel Glauben

Langsam geht uns die Puste aus. Schon ein Jahr erleiden wir Corona, mit Beschränkungen, mit Angst und müssen so viel Kraft aufwenden, um den Kopf irgendwie oben zu behalten. Es ist schon das zweite Osterfest, von dem gegen den Augenschein gesagt werden muss, dass es „nicht abgesagt“ ist. Wir hätten es anders gebraucht!

Nun treten wir in die letzte Woche vor Ostern ein. Angesagt ist ein „harter Lockdown“ von Gründonnerstag bis Ostermontag. Da gehen Feierlaune und jede Vorfreude verloren!

Kein Licht mehr am Ende des Tunnels? – Momentan sehe ich keins! Aber heißt das, dass es das nicht mehr gibt? Glaube ich denn nur, was ich sehe? Kann ich nur auf das hoffen, was sich bereits andeutet?

Das wäre nur ein kleiner Glaube. Der ist ja leicht. Da braucht es nicht viel Kraft, den Kopf oben zu behalten. Anders der große Glaube, von dem die Bibel und die Kirche erzählen. Da gibt es vor der großen Erhebung aus der tiefen Not keinen Lichtblick, keinen Silberstreif, sondern nur einen immer weiter gehenden Abstieg. Als Jesus verhaftet und zum Tode verurteilt wird, haben selbst die Jünger nicht genug geglaubt und alle Hoffnung weggeworfen.

Aber das war bekanntlich nicht das Ende. Ostern kam doch. Später als erwartet, aber der Durchbruch kam. Das Leben und die Freude werden wieder kommen, auch wenn man davon noch nichts sehen kann.        Pfarrer J.-H. Witzel, Helfta

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Querdenker…!?

Vielerorts hört man: Querdenker! Spätestens seit den aktuellen Coronatagen ist dieses Wort in Politik und Medien zum Schimpfwort geworden – auch durch manches inakzeptable Handeln und Reden dieser sogenannten Denker selbst verursacht.

Dabei beschreibt ‚querdenken‘ zunächst eine positive Charaktereigenschaft: Hinterfragen, eigenständig Denken gegen den Zeitgeist. Sich ein eigenes Bild machen gegen den breiten Strom der Meinungen und Vorgaben. Und was wäre aus der friedlichen Revolution 1989 in der DDR geworden, wenn wir damals (und viele Jahre zuvor) nicht quergedacht und danach gehandelt hätten?

Natürlich erlebt sich ein Querdenker missverstanden, unakzeptiert. Sieht sich schnell, Vorwürfen und Maßreglungen ausgesetzt, deren Denkvorgaben und ideologischen Glaubenslinien er nicht folgt. Zweifelt am vielstimmigen Mainstream und findet sich oft isoliert wieder.

War der Apostel Thomas auch so ein Querdenker? „Wenn ich nicht die Wundmale [Jesu] mit eigenen Augen sehe und mit meinen Händen fühle, glaub‘ ich‘s nicht!“ Also doch!

Thomas erscheint entgegen den prominenteren Petrus, Jakobus oder Johannes eher unscheinbar. Ist er wohl einer von Zwillingen, mag er doch ein Einzelgänger gewesen sein. Einer, der sich seinen eigenen Reim auf die dramatischen Ereignisse des Karfreitags machen wollte. Brauchte er für sich Zeit, um das Ganze zu verarbeiten?

Als er zurückkehrt, stürmen die anderen Jünger förmlich auf ihn ein: „Mensch Thomas, wo hast du gesteckt? Der Herr ist uns erschienen. Wir haben ihn gesehen.“

Thomas bleibt skeptisch. Er traut der Sache nicht. Hatte er doch in jüngster Vergangenheit z.B. vom A-Promi Petrus ganz andere Töne gehört: Er wolle Jesus bin in den Tod folgen. Und nun steht er vor ihm und redet auf ihn ein. Ein Zweifler, der Thomas? Ja! Aber gleich ein Querdenker?

Haben wir nicht alle Momente, in denen wir zweifeln, z.B. an den politischen Verlautbarungen zu den Coronamaßnahmen oder an den Beurteilungen anderer? Ja klar! Und dennoch ist dies kein Grund zu „ver-zweifeln“. Ist es doch nur eine Beschreibung von Wirklichkeit neben anderen, eine Meinung neben anderen. Manchmal ist es nicht leicht, dem Zeitgeist entgegenzudenken.

Thomas steht so als Sinnbild für uns, steht als Modell für uns Nachgeborenen. Wir, die wir mit der Verheißung: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ umgehen müssen. Wir, die wir nicht (mehr) sehen (können), und doch glauben!?

So lade ich Sie ein, den Spuren des andersdenkenden Thomas im Johannes-Evangelium Kap. 20, Verse 24-29 zu folgen. Dort werden sie einem begegnen, der zu den engsten Vertrauten Jesu gehörte – ohne A-Promi gewesen zu sein. Einer, der sich trotzdem den Luxus erlaubte zu Zweifeln; Querzudenken auch gegen den Vorwurf, nicht ungläubig zu sein, sondern gläubig.

Schlussendlich steht Thomas für uns auch als Nachfolgende mit seinem Tasten und Suchen, als ein neu Sehender und Fühlender nach dem Allernähesten und Intimsten, den offenen Wunden Jesu. Und ebenso für uns würde er sagen: Einige Dinge muss man glauben, um sie sehen zu können. Nämlich Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“

Herzlichst Ihr Pfr. Steffen Richter

Einsam wie eine Eule … bin ich geworden.

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So, liebe Leserinnen, liebe Leser, beschreibt der Beter des 102 Psalms, Motivpsalm dieser Passionsandacht, sein Empfinden, schildert Gott im Bild der Eule seine Klage. Fühlt er sich doch wie ein schwermütiger Vogel, der in Trübsinn versunken ist. Sitzt zwischen zerfallenen Ruinen als einem Spiegelbild seines persönlichen Kummers. Einsam, traurig und unglücklich sieht er sich schlaflos wie der Nachtvogel Eule in der Einöde.

Vielen mag er dieser Tage aus dem Herzen sprechen: Einschränkungen von persönlichen und dienstlichen Kontakten; beklagenswerte Freiheitseinbußen; traurig über Singverbote in Chören und Gottesdiensten; unglücklich über zahlreiche Beschränkungen des öffentlichen Lebens – und Vieles mehr!

Einsam wie eine Eule … bin ich geworden.

Dabei inspiriert die Eule wie kaum ein anderer Vogel weltweit und seit alters her Menschen als mythologische Interpretation von Naturbeobachtung. Abhängig von lokalen Gegebenheiten vereint sie auf sich die starken Gegensätze von Tod und Geburt, Glück und Unglück.

Wohl durch ihren melancholischen, kreischenden Ruf in nächtlicher Dunkelheit mag die Eule als wehklagendes Motiv auch in Luthers Übersetzung dieser Verse eingezogen sein.

Zum Glück ist die Eule aber auch ein starkes Bild für Hoffnung und die positive Kraft von Weisheit. Im Alten Testament steht sie sogar für die weibliche Schöpfungshilfe Gottes. Eine barmherzige und zugleich durchdringende Kraft, die auch Christen anleiten kann, durch das

erlebte Dunkel von Passion hindurch, auch schon das Helle und Neue von Ostern zu sehen. Auch in der Rolle einer liebevollen, weisen Muttergestalt kündigt sie in Kinderbüchern und Cartoons Veränderung an. Symbolisiert Lebensübergänge – für uns wie den klagenden Psalmbeter.

Folgen wir der positiven Allegorie der Eule, brauchen wir nicht beim Klagen stehenbleiben. Dann können wir, wie der Psalmdichter abschließend, auch Worte für ein Hoffnungsgebet finden. Zunächst gerichtet an Gott, der sein Leid zunächst zugelassen hat. Ihn dennoch in seiner Not hört und ihm in seiner erlebten Ohnmacht göttliche Hilfe und Begleitung schenkt.

Zudem sind wir angeleitet, den Klageworten ein hoffendes ABER entgegenzustellen. Ein starkes ABER, das auf die letztgültige Dimension Gottes hinweist:

Gott, in mir ist es finster, ABER bei dir ist Licht.

Ich bin einsam, ABER du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, ABER bei dir ist Frieden.

In mir ist Bitterkeit, ABER bei dir ist Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht, ABER du weißt den rechten Weg für mich.

Im Sinne solcher Hoffnung beenden sowohl der Psalmist als auch Dietrich Bonhoeffer zuversichtlich ihre Gebetszeilen.

Und das ist auch unsere Chance! Das ist der Wind der Veränderung! Er geleitet uns durch die Passionswochen auf Karfreitag zu. Und dieser Wind der Veränderung und des Neubeginns wird uns aus dem leeren Grab des Auferstandenen zu Ostern entgegenwehen.

Auch dafür steht die Eule: schon sehen, was andere (noch) nicht sehen (können). Ostern! Neubeginn! Anfang! Frühling!

Füllen wir mit Bonhoeffer zuversichtlich, im Vertrauen auf Gottes Segen diese pandemischen Tage mit Leben. Wir sind nicht allein! Wir sind von weihnachtlicher Engelsbotschaft SCHON Bestärkte und gehen, göttlich geleitet, auf Ostern zu. Wir gleichen NICHT NUR einem Vogel in der Wüste, einer EULE in zerstörten Ruinen. Nein. Und auch dafür: Gott sei Dank!                                                                                                                                                                                    Ihr Pfr. Steffen Richter

Die Augen Gottes

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Können wir Gott ins Angesicht sehen? – Die Antwort der Theologen ist, typisch für sie: Nein und Ja! Und wenn, dann nicht so wie man denkt!

Ungläubige unterstellen Christen ja oft, sie würden an einen Gott glauben können, den man sehen kann. Aber die Bibel selbst sagt zusammenfassend: „Niemand hat Gott je gesehen“ (Joh. 1,18, 1 Joh. 4,12, vgl. 1. Tim 6,16). Schon im ersten Gebot heißt es auch: „Du sollst Dir kein Bildnis machen“. Und selbst dem Mose, der auf dem Berg von Gott selbst die Gebotstafeln ausgehändigt bekommen haben soll, wird gesagt: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht“ (2. Mose 33,20). Es wäre eine Überdosis an Licht und Herrlichkeit!  

Jedem von uns würde es genauso ergehen. Wir würden geblendet! Der Bibel nach tritt Gott mit den Menschen nie mit direktem Blick in Kontakt. Er begegnet uns  vermittelt, in Worten und Zeichen, oder durch Vermittler. Darum sind Mose und die Propheten und deren Gebote und Worte so wichtig. Seit der Geburt, dem Leiden und Sterben Jesu und seinem Auferstehen kommt für uns Christen dazu, dass wir in Jesus „Gott sehen“. Der sagt selber von sich: „Wer mich sieht, sieht meinen Vater“ (Joh 9,14). Insofern ist es also doch zutreffend zu sagen: Wir können Gott sehen – in Jesus…

In Psalm 25,15 heißt es wiederum „Meine Augen sehen stets auf den Herren“. Müsste ich da nicht wie die junge Frau auf dem Bild die Hand schützend vor meine Augen halten? Wie kann ich denn schauen bei so viel Licht?

Mich führt die Frage nach den Augen Gottes, die ich einerseits suche und andererseits meide, in das Geheimnis der Passion Jesu. Von Weihnachten wissen wir noch: Gott wurde Mensch um das Licht in die Finsternis auf unserer Erde zu bringen. Aber die Finsternis wollte das Licht nicht an-nehmen und darum musste Jesus so viel leiden (Joh 1). – Erst seine Passion und Auferstehung machten es, dass wir in Jesus den Heiland, das Licht der Welt, Gottes Herrlichkeit sehen können, ohne geblendet zu werden.  Jesu Passion erzählt uns, dass Gottes Angesicht doch nicht mehr zu fürchten ist, da es sich selbst, in seinem Gegenteil verhüllt, unter uns zeigt. Jesus stellt sich an die Seite der Kranken, der Sünder, der Hungernden und Dürstenden, der Kranken und Gefangenen und will dort gefunden werden. Da bringt er Heil und Leben. Wer ihm begegnen will, muss wohl dorthin gehen! Da kann man sein Angesicht sehen, ohne sich die Augen zu verbrennen.

Pfr. Johann-Hinrich Witzel

Ein vernetztes Herz …

… ein Bild für Barmherzigkeit?

Ja, ein schönes Bild für die lukanische Jahreslosung. Selbst barmherzig sein, wie man es von Gott erlebt hat. Das rote Band symbolisiert einen dafür notwendigen Gleichklang aus Lieben und Mitfühlen, sich erbarmen können und in Not anderen beistehen. Ein Geben und Nehmen, das das Herz schult, ja das ganze Leben prägen kann. Ein Erleben, dass man nicht verliert, wenn man sein Herz für andere öffnet. Ein vernetztes Herz ist Barmherzigkeit.

Gerade wieder ist der nächste Lockdown ein reales Szenario. Hatten wir gerade wieder in einen Rhythmus gefunden, sind wir nun wieder zur Unterbrechung gezwungen. Alle unsere Veranstaltungen und Kreise unterliegen nach wie vor der Dynamik der pandemischen Umstände und deren Unwägbarkeiten. Dabei respektieren wir die Schutzmaßnahmen aus Gründen der Rücksicht und der Nächstenliebe. Wir verhalten uns überlegt und verantwortungsbewusst! Dennoch kommen wir zu Gottesdiensten zusammen nach den gültigen Hygienevorschriften.

So beten wir für alle:
Gott-Vater, steh uns bei;
hilf uns, Verstand und Herz beieinander zu halten;
stärke gegenseitigen Respekt, Solidarität und Fürsorge;
lass uns in den Tagen des Abstandhaltens dennoch
weiter miteinander in Kontakt bleiben.
Amen.

Denn uns allen gilt die Engelsbotschaft von Weihnachten: Fürchtet euch nicht! Sie meint: Wir sind nicht verlassen! Gott-Vater ist bei uns und zeigt sich und seine Barmherzigkeit, wie die Jahreslosung ermutigt.

Ihr folgend, soll ein vernetztes Herz vorrangig Taktgeber unseres Denkens, Redens und Handelns sein. Schauen wir uns nach unseren Nächsten um. Wenden wir uns ihnen zu, indem wir einfach mal länger zuhören, Zeit schenken. Not mit ihnen aushalten. Mitfühlend, Umdenken anregen und Festgefahrendes lösen helfen.

Mit solchen systemrelevanten Ressourcen trotzen wir gemeinsam dieser Pandemie. Stärken so unsere Herzen und zugleich unser aller Gemeinwesen!


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