St. Cyriacus Wimmelburg

Zur ehemaligen Klosterkirche St. Cyriacus gehörte einst ein gleichnamiges Benediktinerkloster, das vom 12. bis ins 16. Jh. weit über die Grenzen der Grafschaft Mansfeld hinausstrahlte. Ursprünglich auf dem nahen Friedrichsberg um 1060/70 gegründet, verlegte man es 1121 aus Sicherheitsgründen an seinen heutigen Standort ins Tal. Die Mönche schufen in den folgenden Jahrzehnten im Herzen des aufblühenden Klosters eine beeindruckende romanische Basilika, deren Baustruktur in Maß und Form dem Hirsauer Schema folgte. Berühmt, nach M. Luthers Einschätzung in seinen Tischreden auch berüchtigt, war das Kloster für seine mittelalterlichen Wallfahrten zum so genannte „Cyriacusglöcklein“, um das sich katholische Glaubens- und Heilungsvorstellungen rankten.

Im Zuge der Reformation nahm des Klosterleben einen dramatischen Abschwung, besonders nachdem das Kloster zwischen dem  2. und 4. Mai 1525 von aufgebrachten Bauern und Bergleuten des Umlandes „gestürmt, gepucht und geplündert“ worden war. Der für 1554 in Wimmelburg und Wolferode erwähnte Prediger Johann Rach dürfte nicht diese Kirche zur Predigt im neuen Glauben benutzt haben, sondern die leider heute in ihrer Lage unbekannte Dorfkirche St. Vicentius. Letztlich die Säkularisierung von 1526, in deren Folge das Kloster in ein kleines gräfliches Gut umgewandelt wurde, beschlossenen eine gut 470 jährigen Epoche des Klosters, die hiesiger Gegend nicht nur in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht Aufschwung und Entwicklung gebracht hat. Ein verheerender Brand vom 10. Januar 1680 ließ die einst großartige Klosterkirche nur in rudimentären Teilen übrig.

Jedoch schon ab 1680 erfolgten erste Sicherungsarbeiten. Dabei verschloss man die Vierungsbögen zu den ehemaligen Querhausarmen und die Westwand in der Achse. So entstand bis 1686 ein romanischer Saalbau mit vier Seitenapsiden. Ein Dachreiter erhielt in der Mitte des Daches der evangelischen Pfarrkirche seinen Sitz; 1886 hing man eine neue Glocke in der Dachlaterne auf, in die Teile des mittelalterlichen „Cyriacusglöckleins“ eingearbeitet worden sein sollen. Der wieder erstandene romanische Innenraum wird, dem barocken Zeitgeschmack folgend, mit einem Kanzelaltar überformt und mit einem Taufstein von 1695 wesentlich neu pointiert.

Die Reste des ehemaligen Mittelschiffes der Klosterkirche verwandte der neue Pächter für den Neubau seines Herrenhauses, das sich westlich der ehemaligen Vierung anschloss. Für das Klostergut war die Familie Phul 1797 Erbpächter geworden, das am 1. November 1813 dann in eine preußische Domäne überführt wurde. Im Zuge der Bodenreform von 1946 nutzte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) die ehemaligen klösterlichen Wirtschaftseinrichtungen für ihre Produktion und die Räumlichkeiten des ehemaligen Herrenhauses zu Wohnzwecken. Mit dieser Umnutzung ging auch ein Reparaturstau einher, der sich bis in unsere Tage hinzog.

Heute betritt man unsere Kirche durch ein von Säulen umranktes, romanisches Portal an der wieder Instand gesetzten Nordseite. Der hohe Innenraum und seine vier kleinen Seitenapsiden zeu-gen noch von der einstigen Größe und dem liturgischem Gebrauch der romanischen Klosterkirche, deren Fußboden mal gut 2 – 3 Meter tiefer gelegen haben muss. Ein besonders sowohl musikalisches wie optisches Schmuckstück ist die aus dem Jahre 1895 stammende Rühlmann-Orgel.

Dank großzügiger Unterstützung durch unsere Landeskirche, den Kirchenkreis Eisleben – Sömmerda, aber auch durch Drittmittelgeber wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung KiBA, sowie der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und dem Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Süd ist die kleine, aber lebendige Kirchengemeinde in Wimmelburg im Ver-band mit den anderen Gemeinden ihres Kirchengemeindeverbandes Helbra in der Lage, diesen Bau- und Reparaturstau abzutragen. So wurde seit 2013 in mehren Bauabschnitten die starkt be-drohte Statik der Kirche gesichert, Mauerkrone, Fassaden und Dachkonstruktionen erneuert und der Hausschwamm beseitigt. Im Anschluss an die gesamte Kirchendachsanierung soll die Statik des Dachreiters gesichert bzw. erneuert werden, damit das Läuten der Glocke – das eigentliche Ziel der gesamten Sanierung – wieder beginnen kann.

Bis dahin ist noch ein weiter Weg, auf dem die Kirchengemeinde für jede Unterstützung zur finanziellen Stärkung der Eigenanteile dankbar ist.